Toilette für alle am Schlössle eröffnet

Mehrere Personen halten Luftballons mit den Ziffern 1, 1 sowie 5 in die Höhe. Daneben ein Mann im Rollstuhl. Im Hintergrund eine öffentliche Toilette.
OB Clemens Moll, Minister Manne Lucha und Jutta Pagel-Steidl vom Landesverband LVKM eröffnen in Weingarten den 115. Standort einer Toilette für alle in Baden-Württemberg.

Kleiner Raum, große Bedeutung: Am Montag, 17. März 2026, ist die sogenannte „Toilette für alle“ im Innenhof des Stadtmuseums Schlössle eingeweiht worden. Ausgestattet mit Liege und Lifter bietet sie Menschen mit Körperbehinderung einen würdevollen Ort für ein alltägliches Geschäft.

Menschen mit schweren oder mehrfachen Behinderungen sind auch unterwegs auf Unterstützung angewiesen. Doch selbst barrierefreie Toiletten werden ihren Bedürfnissen häufig nicht gerecht. In der Folge müssen sie auf dem Fußboden oder im Kofferraum gewickelt werden – ein entwürdigender Akt. Eine „Toilette für alle“ schafft Abhilfe. Darunter versteht man ein Rollstuhl-WC, das mit einer höhenverstellbaren Pflegeliege, einem elektrischen Lifter für den Transfer vom und in den Rollstuhl sowie einem luftdicht verschließbaren Windeleimer ausgestattet ist. Sie bietet einen geschützten Raum für Körperpflege und persönliche Assistenz.

Inklusion ist kein "Nice to have"

"Gerade in Weingarten ist eine solche Toilette extrem wichtig. Sie ermöglicht Würde, Selbstbestimmung und Teilhabe, aber auch Entlastung für die Angehörigen“, sagte Oberbürgermeister Clemens Moll bei der offiziellen Eröffnung. Wie bedeutend das Thema ist, zeigt das große Interesse der politischen und lokalen Prominenz sowie mehrerer Fernsehteams, die zur Einweihung ans Schlössle kamen, allen voran Manne Lucha, Minister für Soziales, Gesundheit und Integration in Baden-Württemberg. Er betonte: „Inklusion ist kein Nice to have.“ Genau 17 Jahre nach Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention und in einer Zeit, in der Ausgrenzung wieder wachse, sei jede neue Toilette ein Schritt zu mehr Gemeinschaft und Gleichberechtigung. Sein Ministerium hat die Toilette mit rund 6.800 Euro gefördert. 

Der 8,5 Quadratmeter große Raum wurde im Zuge des Pavillon-Neubaus eingerichtet. Mit dem Euroschlüssel haben Menschen mit Behinderung nun rund um die Uhr Zugang. Welche Erleichterung dies für die Teilhabe am öffentlichen Leben bedeutet, erklärte Jutta Pagel-Steidl vom Landesverband für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung (LVKM) in Stuttgart, der den Umbau finanziell und mit Know-how unterstützt hat: „Ich bin unabhängig von Öffnungszeiten. Ich kann beim Welfenfest dabei sein, auf die Toilette gehen und dann wieder feiern. Das ist einfach grandios."

Auf der Webseite https://toiletten-fuer-alle-bw.de sind landesweit alle 115 „Toiletten für alle“ auf einer Karte zu finden. 

Das Tor zum Schlösslegarten und Innenhof ist im Winter von 7 bis 18 Uhr und im Sommer von 7 bis 20 Uhr geöffnet.