Bernd Junginger mit Bürgermedaille geehrt
Die - nach der Ehrenbürgerwürde - höchste Auszeichnung, die die Stadt Weingarten und der Gemeinderat zu vergeben haben, geht in diesem Jahr an Bernd Junginger. Der langjährige Stadtrat und Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr hat die Bürgermedaille am Sonntag (11. Januar 2026) beim Neujahrsempfang im KuKO von Oberbürgermeister Clemens Moll entgegengenommen.
Mit Visionen, Verantwortungsbewusstsein, Besonnenheit und Bodenständigkeit hat Bernd Junginger sich über viele Jahrzehnte um das Wohl der Stadt und ihrer Einwohnerinnen und Einwohner verdient gemacht. Als Feuerwehrkommandant stellte er das Gemeinwohl über seine eigenen Belange. Als Stadtrat und ehrenamtlicher Stellvertreter des Oberbürgermeisters repräsentierte er Weingarten mit Haltung und Herzblut. Als Trainer, Jugendleiter und Schiedsrichter im Handball vermittelte er schon den Jüngsten Fairness, Teamgeist und Freude am Sport. Als Plätzler und Mitglied der Welfenfestkommission liegen ihm bis heute Tradition und Brauchtum am Herzen. „Mit Ihrem intensiven und vielfältigen Engagement haben Sie in unserer Stadt tiefe Spuren hinterlassen und schon früh Weichen gestellt“, sagte Oberbürgermeister Clemens Moll in seiner Laudatio. Es sei höchste Zeit, sein Wirken ausführlich zu würdigen.
Bernd Junginger, 1943 in Prenzlau in der Uckermark geboren, kam nach Kriegsende mit seiner Mutter und seinem Bruder nach Weingarten, in die Heimat des gefallenen Vaters. Als kleiner Bub fand er über das gelegentliche Fußballspielen mit der Katholischen Jugend zum Handball – den Sport, der ihn bis heute prägt. Früh übernahm er Verantwortung, machte Trainerscheine und engagierte sich als Jugendleiter. Mit 17 – er hatte gerade seine Lehre als Maschinenschlosser in der Maschinenfabrik abgeschlossen – traf ihn ein Schicksalsschlag: die Diagnose Tuberkulose. Schwierige Jahre folgten: Klinikaufenthalte, eine riskante Operation. Die Ärzte rieten ihm, ganz mit dem Sport aufzuhören. Doch er kämpfte, blieb in Bewegung – und dem Handball treu.
Drei Jahre später war er gesund und konnte in die Maschinenfabrik zurückkehren. Parallel zu seiner Zusatzausbildung zum technischen Zeichner baute er die Jugendarbeit weiter aus, trainierte den Handball-Nachwuchs und verbrachte bis in die neunziger Jahre unzählige Wochenenden als Schiedsrichter bei Spielen im ganzen Land.
14 Jahre lang Kommandant der Feuerwehr
Dann rückte die Feuerwehr immer stärker in den Mittelpunkt seines Lebens. 1970 eingetreten, war Bernd Junginger von 1986 bis 1991 stellvertretender Kommandant und danach bis 2005 Kommandant. Angesichts seiner gesundheitlichen Vorgeschichte war keineswegs klar, ob er den körperlichen Anforderungen einer Feuerwehr gewachsen sein würde. „Doch hätten Sie aufgegeben, wären wir heute nicht hier“, sagte OB Moll im KuKO. „Sie sind die Sache mit der nötigen Ernsthaftigkeit, mit Respekt und Pflichtgefühl angegangen. Es wurde zu Ihrer Lebensaufgabe, mit Verantwortung für Leben und Tod.“
Junginger baute die Leistungsfähigkeit der Feuerwehr konsequent aus, schaffte moderne Fahrzeuge und neue Geräte an. Er knüpfte früh Bande zur Nachbarstadt Ravensburg, lange bevor interkommunale Zusammenarbeit selbstverständlich war. Er stellte die Weichen, dass die Feuerwehr Weingarten bis heute keine Nachwuchsprobleme hat, sondern, ganz im Gegenteil, einen exzellenten Ruf über die Region hinaus. „Sie waren Brückenbauer und Netzwerker, nicht nur zwischen Weingarten und Ravensburg, sondern im gesamten Landkreis, bis zur Partnerstadt Grimma und zu Weingarten in Baden“, so Moll, der Jungingers Sachverstand, Augenmaß und Fingerspitzengefühl lobte.
37 Jahre lang im Gemeinderat
1984 folgte der Sprung in die Kommunalpolitik: Junginger ließ sich erstmals für die Freien Wähler im Gemeinderat aufstellen. Am Ende engagierte er sich 37 Jahre lang für Weingarten. Die schönste Aufgabe war sicherlich das Amt des Ehrenamtlichen Stellvertreters des Oberbürgermeisters, der die Stadt zu feierlichen Anlässen vertritt und – oft mit großer Freude – Jubilare besucht. „Solche geselligen Begegnungen sind eine Bereicherung und Wertschätzung für alle Seiten“, sagte der OB, „die Menschen kennen Sie und schätzen Sie. Und Sie haben immer etwas zu erzählen. Auf gut Schwäbisch: ,Sie könnet mit d‘ Leut.‘“
Noch mehr Ehrenämter hat Bernd Junginger bekleidet: Er war mehr als 20 Jahre lang aktiver Plätzler, er sprach als Betriebsrat in der Maschinenfabrik für die Belegschaft und organisierte die Senioren-Stadtrundfahrt beim Welfenfest. Seiner Hartnäckigkeit ist es zu verdanken, dass die alte Feuerwehr-Drehleiter nicht verscherbelt, sondern restauriert wurde und bis heute den Umzug am Welfenmontag eröffnet.
Dienst am Nächsten
In seiner Dankesrede erzählte der Geehrte, er sei „mit Leib und Seele“ bei der Feuerwehr gewesen. Immer auf Abruf, ob zu Hause, bei der Arbeit, beim Sport als Handballer oder auch Schiedsrichter – immer in Gedanken beim Dienst am Nächsten. Warum tut man so etwas? Das werde und wurde er früher und noch heute oft gefragt. „Es war nie eine Frage von Karriere, Geltungsbedürfnis oder besonderem Ehrgeiz“, sagte Junginger. „Für mich war es immer selbstverständlich, mich einzubringen, wenn ich gebraucht wurde.“
Bei der Feuerwehr lerne man sehr schnell, dass es nicht um einen selbst gehe, sondern um den Nebenmann, um Vertrauen, Verlässlichkeit und im Ernstfall um Menschenleben. "Diese Haltung hat mich geprägt, und zwar längst nicht nur bei der Feuerwehr.“ Er dankte all seinen Wegbegleitern für die Unterstützung und den Rückhalt, ganz besonders seiner Frau Siglinde und den drei Kindern, die oft auf ihn verzichten mussten.
Ihn habe das Gefühl angetrieben, gebraucht zu werden – und die Überzeugung, dass man Dinge nicht nur fordern kann, sondern auch selbst anpacken muss. „Man kann nicht nur kritisieren, man muss mitreden und mitgestalten.“ Im Gemeinderat koste das oft Zeit und Geduld. „Am Ende hat mich ein einfacher Gedanke getragen: Wenn jeder nur ein kleines Stück Verantwortung übernimmt, dann funktioniert eine Stadt, die Gesellschaft.“




